Ich hatte kürzlich die verlockende Gelegenheit, ein EPF-3 Vorführ-/Testmodell (d.h. mit geringer Laufleistung und wirklich kleinen, optischen "Schönheitsfehlern", sowie großem 1200Wh-Akku) zu vergünstigten Konditionen zu bekommen und den neuen Powerscooter so schon mindestens 6-8 Wochen vor der offiziellen Erstauslieferung fahren zu können, was mich natürlich zu sehr gereizt hat, um der Versuchung widerstehen zu können.
Eins vorweg: Wer schon den EPF-2 (XT) oder EPF-2 Pro kennt, wird keine wahnsinig große Überraschng erleben.
Designelemente wie das hier ungefederte Heck, die vordere Federgabel, die schmale Bereifung (erneut schlauchlos, aber selbst beim Ur-EPF-2 hatte ich nie Probleme mit Platten - regelmäßigem Luftdruck-Check sei Dank), die erstklassige Hobbywing-Abstimmung auf echte 22 km/h, in Kombination mit der zu Recht extrem beliebten separaten Daumenbremse (und einstellbarem Zerostart), Trommelbremse vorne, die bekannt dicken, genoppten (runden) Griffe, der eher minimalistisch gehaltene Informationsgehalt des LCD-Displays (das auch wieder im Stand die Restakkukapazität in % anzeigt, allerdings noch eine Nummer kleiner ausfällt als beim EPF-2 Pro), optional piepsende Rundumblinker, eine helle Beleuchtung mit Bremslichtfunktion - das alles kennt man so ja schon von den populären Vorgängermodellen.
Neu sind jetzt (u.a.):
-der bärenstarke Pulse Plus-Antrieb, der mit dem verbauten 30A-Controller bei vollem Akku ca. 1600W leistet und auch an langen, starken Anstiegen nicht zum Überhitzen neigt - ich war neulich mal wieder mit dem EPF-2 Pro unterwegs, aber sorry, der (signifikant komfortablere) "Vorgänger" hat für meine gegenwärtigen Touren-Ansprüche bergauf leider eindeutig zu wenig Punch...
-der beim Topmodell mit 25Ah@48V besonders große, fest verbaute Akku (durch das wegfallende Wechselakkukomzept und die Teilfederung behält der EPF-2 Pro also auch weiterhin seine Daseinsberechtigung im aktuellen Epowerfun-Portfolio)
-das Bedienelement für die Blinker ist jetzt vor dem Lenker angeordnet und (nach kurzer Eingewöhnungszeit) intuitiver zu benutzen, wenngleich mir persönlich die klassiche Kippschalterlösung wie beim VX2 Pro oder New VX4 immer noch am besten gefällt
-die teilintegrierte, weiterhin in der Neigung verstellbare Frontlampe
-die (geteilte) Form des stabilen Stahlrahmens zwischen Trittbrett und Lenkstange (ist jetzt komplett "custom" und Hochglanz-lackiert)
-eine NFC-Sperre wie beim großen Bruder
-der USB-Ladeport am Lenker
-der Ladeport ist jetzt nicht mehr seitlich am Rahmen, sondern mittig, im vorderen/oberen Trittbrettbereich angebracht und durch eine Gummikappe gut geschützt
-die etwas längere, ebene (durch die Vorderachsfederung leicht abfallende) Standfläche des Trittbretts empfinde ich persönlich auch als vorteilhadt
Und zu guter letzt: der Preis.
Mit deutlich unter 1000€ für die gebotene Ausstattung und den bekannt guten deutschen Service & Ersatzteilverfügbarkeit kann der neue EPF-3 (in beiden Akkuvarianten) fast schon als "Qualitäts-Schnäppchen" bezeichnet werden.
Er steht in (in)direkter Konkurrenz zum ungefederten VMAX VX2 Extreme (GT) mit deutlich kleinerem Akku, aber wesentlich höherem Preis, einem Egret Unit oder PURE AIR6 Ultra Max, die beide weniger Akku/Reichweite und, aus meiner Erfahrung heraus, einen trotzt nominal mehr (Peak)Leistung weniger starken Motor bieten. Der noch etwas stärkere VX2 Hub mit ebenfalls kleinerem Akku spielt dagegen in einer anderen (Preis-)Liga und ist deshalb hier außen vor.
Hier auch gleich noch ein paar Kritikpunkte meinerseits:
-ich persönlich hätte mir tatsächlich optisch ansprechendere und praktischere, breitere (2.7-2.75") Semi-Offroadreifen gewünscht
-auch eine, zumindest einfache, hintere Federung wäre wünschenswert gewesen, um bei Touren in Richtung dreistelligem Kilometerbereich, die natürgemäß (zumindest in meiner Gegend) nicht nur über flachen Asphalt verlaufen können, nicht zu sehr durchgeschüttelt zu werden, was sich aber wiederum negativ auf das (noch erfreulich moderate) Gewicht, den Preis und ggf. auch auf die maximale Akkugröße ausgewirkt hätte
-wartungsarme Trommelbremsen vorne UND hinten wie beim Fritz für maximale mechanische Bremssicherheit, falls die E-Brake doch mal ausfallen sollte, was zwar unwahrscheinlich, aber nicht gänzlch ausgeschlossen ist
-mindestens zeitgemäße 4, besser noch 5-6A Ladestrom wären ebenfalls wünschenswert gewesen, aber in den meisten Fällen wird man den leeren Akku ohnehin über Nacht oder nur teil-/nachladen, was dann entsprechend schneller geht
-die Klingel auf der linken Lenker-Seite anzuordnen, so wie beim Pulse und fast allen anderen Modellen am Markt, wäre eindeutig besser - gleichzeitig mit derselben Hand Gas geben und klingeln (was ja der Regelfall ist), ist wirklich nicht besonders "bedienerfreundlich" (gleiches gilt übrigens für den einzigen Bremsgriff)
Das sind eigentlich schon meine Hautkritikpunkte, aber wenn man trotz massiver Bauart, fettem Akku und ebensolchem Motor (der sich im Pulse+ beim Tragen merkwürdigerweise deutlich schwerer anfühlt) irgendwie unter 1000€ (und 30 kg) bleiben will, muss man
die eigenen Kirchen-Ansprüche teilweise im Dorf lassen und entsprechende Abstriche in Kauf nehmen - oder man geht gleich "All-in" und holt sich ein mittlerweile durchaus bezahlbares, vollausgestattetes, aber "untragbares" Allradmonster ins Haus, bei dem die feinfühlige Dosierbarkeit von Gas und E-Brake oder echte 22.0/21.9x km/h im Dualmotormodus auf absehbare Zeit ein Wunschtraum bleiben werden.
Natürlich bin ich mittlerwiele auch entsprechend konditioniert/verwöhnt und verzichte auf meinen "Offroad-Touren" nur ungern auf eine hintere Federung, ein komfortabel großes, breites Trittbrett und eine allzeit ausreichende Bodenfreiheit - als der EPF-2 (XT) damals auf den Markt kam, hat mir dieses Komfortdefizit noch nichts ausgemacht, aber mittlerweile bin ich nicht mehr ganz so hart im Nehmen und nehme lieber etwas mehr Rücksicht auf meine älter werdenden Gelenke, insofern wird der EPF-3 wohl nicht mein neuer Liebligstourer werden, auch wenn Power (bei diesem Fahrzeugkonzept reichen drehmomentstarke 1600W vollkommen aus), Reichweite (ich rechne mit 70-80+ bergigen Sommerkilometern) und E-Brake (der mechanische Bremsverschleiß ist auf meinen typischen Ausflügen wirklich nicht zu unterschätzen) eindeutig dafür sprechen würden. Insofern, ja - ich hätte mir zwar auch etwas "eierlegendes" im Rundum-sorglos-Stil gewünscht, aber es wäre gleichzeitig auch irgendwie langweilig, wenn wir jetzt schon den perfekten E-Scooter ohne nennenswertes Verbesserungspotenzial hätten...
Das, was anhand der o.g. Punkte abzusehen war, hat sich dann auch im ersten Fahrtest bewahrheitet: der EPF-3 ist ein starkes, besonders ausdauerndes, angenehm agil und sicher zu fahrendes Mittelklassemodell, das einen akzeptablen Fahrkomfort auf nicht allzu schlechten Straßen und erstklassige Fahreigenschaften bietet - er ist aber definitiv kein Offroader oder ultimatives Powermonster!
Die Beschleunigung/Gasannahme ist nicht so ultra-direkt und "giftig" wie beim VX2 Extreme, sondern sollte selbst auf höchster Stufe (in den App-Einstellungen) für praktisch jeden mit ein bisschen Erfahrung noch gut beherrschbar sein.
An meinen heutigen 15-20 Teststeigungen bis etwa 25% war der EPF-3 dagegen jeweils 1-2 km/h langsamer als der Pulse+ (und damit auf gutem Fritz 2.0 oder SO One Pro Gen 2-Niveau), gleichzeitig aber auch bis zu 7 km/h schneller als ein EPF-2 Pro.
Die fehlende Hinterradfederung kann man mit einem lockeren Stand ganz gut kompensieren, was ich auf ein paar beinharten Rüttelpisten verifiziert habe - trotdzem ist der Fahrkofort auf dem vollgeferdeten EPF-2 Pro natürlich signifikant höher.
Nach 33.5 km mit 500 Höhenmetern hatte ich heute, bei feucht-frischen 10-14°C noch gute 59% im Akku - damit sollten die erhofften 70++ km bei warmen Temperaturen problemlos machbar sein.
Der Motor an sich arbeitet fast unmerklich leise, dennoch hatte ich gelegentlich ein merkwürdiges "Knistergeräusch" vom Hinterrad, was ich noch genauer untersuchen muss.
Brems-/Fahrverhalten, Abstimmung und Co sind praktisch identisch "gut" wie beim EPF-2, das muss man jetzt also nicht unebdingt nochmal alles spektakulär neu bewerten. Was die allgemeine Leistungsentfaltung betrifft, so verhält sich der EPF-3 zum Pulse+ ähnlich wie der VX2 Extreme zum (alten) VX4. Jemand, der vorher noch gar keinen Scooter oder nur eine schlappe Rappelkiste besessen hat, wird von der "brachialen Power" beeindruckt, jemand der von einem 3000+W Dualmotorscooter umsteigt, von der gebotenen Leistung dagegen eher enttäuscht sein - alles wenig verwunderlich.
Das Ladegerät scheint übrigens dasselbe zu sein wie beim EPF-2 Pro (Anschluss+3A), und genau wie bei diesem sieht man im Display den aktuellen Ladestand, wenn man den Scooter während des Ladevorgangs einschaltet.
Der EPF-3 ist natürlich kein Quantensprung (das wird vielleicht der irgdnwann kommende EPF-4, 5, 6...werden), auch wenn ihn manche "Promoter" - wie bei jedem gerade vorgestellten Modell jedweder Marke, vermutlich als genau das verkaufen wollen werden. Er ist aber eine sehr gute und sinnvolle Erweiterung der bestehenden ePowerFun-Modellpalette und eine veritable Alternative/Ergänzung, allerdings kein vollständiger Ersatz für den bewährten EPF-2 Pro.
Weitere, detaillierte Fahr- und Erfahrungsberichte folgen, insbesondere der direkte Powervergleich mit dem Pulse+ (mit gleichem Antrieb) und dem VX2 Extreme (als DIE Referenz in der getriebelosen 1600W-Klasse), der Komfortvergleich mit dem EPF-2 Pro und dem ebenfalls nur teilgefederten NIU KQi 300X, sowie der Reichweitenvergleich mit den RCB D* Pro Ultra-Modellen mit 27Ah@48V bei gut 5 kg Mehrgewicht.
Leider sind die Wetteraussichten für das unmittelbar bevorstehende, lange Wochenende nicht so gut, deshalb werde ich wohl auch (noch) keine Reichweiten- oder Maximalsteigungstests machen können, um herauszufinden, ob die ultimative Steigfähigkeitsgrenze ggf. sogar über derjenigen vom Pulse+ liegt (ich kenne nämlich 2-3 geeignete Offroadsteigungen, die dieser knapp nicht mehr schafft, allerdings machen die entsprechenden Tests nur bei absolut trockenem Boden Sinn). Morgen und übermorgen stehen erstmal weitere "Onroadtests" an Steigungen zwischen (max) 30 und 35% an - da wird sich dann das tatsächliche Leistungspotential des EPF-3 schonungslos zeigen...
Ich kann aber jetzt schon sagen, dass der Scooter zwar nicht perfekt, aber durchaus gelungen ist - wirklich nennenswerte Schwächen konnte ich jedenfalls noch keine feststellen.
