ShiftCam
Da meine Fotoausrüstung ja gekaut wurde, ich altersbedidingt auch keine zusätzlichen 10 kg mehr mit mir schleppen wollte, bin ich auf ein Smartphone umgestiegen. Mein erstes im Übrigen, war eher ein Tabletmensch.
Es wurde ein Samsung S 25 Ultra, welches mich aber auch nicht sonderlich vom Hocker haut. Experimente mit Fremdanbieter Foto Apps wie Expert RAW ließen mich dann doch erkennen, dass die Bedienung grauenvoll und unbefriedigend war. Letztlich habe ich aufgegeben und nur noch im Standardmodus "geknipst" ohne dabei zu überlegen. Mich hat dabei aber geärgert, dass viele Dinge dort auch nicht beeinflussbar sind und der Porträtmodus mehr als unausgereift erscheint.
Es gab ja schon früher Vorsatzlinsen in der Fotografie, die noch nie den besten Ruf hatten. Es gibt auch seit längerem diese Vorsatzlinsen für Smartphone, wo einem der Setpreis schon sagte, das kann nichts taugen.
Letztlich bin ich über ShiftCam gestolpert. Aber nirgends wird so viel gelogen wie in der Werbung und der Politik. Die Werbeversprechen klangen interessant und das Zubehör wie z.B. einen Smartphonegriff mit echtem Auslöser und integrierter Powerbank klingen erst einmal nicht schlecht.
Im Detail bedeutet das Folgendes:

Meine Anschaffung umfasst ein 16 mm Weitwinkel-Vorsatz, ein Fisheye-Vorsatz, ein 60 mm Tele-Vorsatz (Schließt am Samsung S 25 Ultra die Lücke zwischen Zoomfaktor 1x und 3x) und angesetzt am Smartphone das 240 mm Tele. Dazu benötigt man eine Smartphonehülle mit den entsprechenden Anschlüssen vor den beiden Hauptkameras.
Das Konzept ist ursprünglich für das iPhone entwickelt worden und umfasst auch noch andere Vorsätze für die Makrofotografie und spezielle anamorphotische Objektive zum Filmen in Cinemascope Formaten.
Der 240 mm Televorsatz hat mich am meisten interessiert und wird so auch nicht von sehr vielen anderen Anbietern angeboten. Früher wurden die Vorsatzlinsen, die äußerlich, optisch und haptisch einen hervorragenden Eindruck hinterlassen, an eine entsprechende Smartphonehülle geschraubt. Die aktuellen Modelle besitzen eine Art Bajonett und werden wie richtige Wechselobjektive befestigt.
Aber die optische Bildqualität steht in keinem Verhältnis zum Preis, bei keinem der Objektive! Ich bin davon ausgegangen, das die Entwicklung weiter vorangeschritten ist und aufgrund der verwendeten kurzen Brennweiten im Smartphone eine Konstruktion besser zu bewerkstelligen wäre als es damals für Mittelformat und Kleinbildformat der Fall war. Dem ist leider nicht so, zumindest bei ShiftCam.
Das 240 mm Teleobjektiv

Fotografiert im Samsung Standardmodus FOTO.
Die Schärfeleistung ist grauenhaft. Laut Hersteller bildet das Objektiv ab 5 m bis unendlich scharf ab. Im oberen Bild wurde auf die Bildmitte fokussiert, zu den Bildrändern nimmt die Schärfe gehörig ab. Der rechte Baum ist völlig unscharf.
Im unteren Bild habe ich auf den genannten rechten Baum fokussiert, das Bild ist unbrauchbar.

Das große Windrad sowie das deutlich weiter dahinterliegende Windrad sowie die linken Bäume im Vordergrund sind scharf, die rechte Bildseite säuft dagegen total ab.

Ein Kran ist scharf, Lichtreflexe unten. Eine Sonnenblende gibt es nicht. Da könnte man zwar etwas machen, aber lohnt das?

Die Objektivunschärfe fällt weiter nicht auf, durch die allgemeine Hintergrundunschärfe. Lichtreflex.

Mal ein Detailfoto, das Rad ist scharf das Trittbrett schon nicht mehr.

Hier gibt es nichts auszusetzen.

Die Möglichkeiten mit der Brennweite sind schon nicht schlecht, wobei auch hier das Ergebnis nicht überzeugt.

Fokussiert auf die Schornsteine, ist das Ergebnis auch nur Müll.

Mal abgesehen von der Vignettierung am Rand, die ich bewusst nicht bearbeitet habe, wie auch bei allen anderen Fotos geht dieses Bild, wenn man auf die Vögel im Wasser fokussiert hat. Ich habe aber die Brücke anvisiert.

Direktes Gegenlicht ist immer schwierig, sollte man mit dieser Vorsatzlinse aber lieber lassen.

Hier noch Vergleichsbilder, die ich mal an die Firma ShiftCam geschickt hatte.

Selbst auf einer Ebene liegende Strukturen können nicht komplett scharf dargestellt werden.

Für Vergrößerungen taugen die Vorlagen auch nicht. Theoretisch kann das Samsung ja 200 Megapixel darstellen, aber wofür?

Mit Gesetzmäßigkeiten der Optik lässt sich so ein Schärfeverhalten nicht erklären.
ShiftCam teilte mir weiter mit, ich müsse externe professionellere Foto Apps benutzen, also ein Tool, das das Tool funktioniert.
Als Fotograf mit einer vernünftigen Kamera würde ich die Blende einfach weiter schließen und der Bereich wo mein Foto scharf wird vergrößert sich dadurch,
Ein Samsung hat aber keine physische Blende. Ein Programm wie Expert RAW kann zwar angeblich die Blende verstellen. Das 240 Tele lässt sich nur am Teleobjektiv vom Samsung verwenden. Dieses Objektiv kann aber von Expert RAW nicht beeinflusst werden, was die Blende angeht.
Beeinflusst ein zusätzliches Fotoprogramm die Blende, kann es nur über eine KI erfolgen und wie schrecklich die arbeitet, sieht man ja schon im Porträtmodus.
Der Fisheye-Vorsatz
Aufgrund der übertriebenen Verzerrung wird so ein Objektiv, generell seltener benutz und dieser Fakt ist Bauartbedingt. Allerdings können solche Objektive auch scharf abbilden, diese Vorsatzdinger wohl eher nicht.

Nur mittig scharf.
Der 16 mm Weitwinkel-Vorsatz.

Bei Weitwinkelvorsatz zur Erzeugung einer guten Schärfentiefe kam Expert RAW zum Einsatz und was die KI daraus macht - Müll.

Ohne KI aber dafür mit Reflexen.

Etwas weniger Bildwinkel, dafür kaum nennenswerte Reflexe. Ohne Vorsatz, aber auch hier haut mich die Schärfe nicht vom Hocker.

Mit Licht im Rücken brauchbar, die Vignettierungen ließen sich entfernen, besser sie gäbe es gar nicht.

Gegenlicht ist immer schwierig...

... bis hin zu unbrauchbaren Ergebnissen.
Mal abgesehen von den Lichtreflexen ist der 16 mm Weitwinkelvorsatz noch das brauchbarste Teil, da zumindest mit Licht im Rücken Bilder mit verhältnismäßig brauchbarer Schärfe gemacht werden können. Vorausgesetzt, man lässt da keine KI drin herumpfuschen.
Das 60 mm Tele.
Der Hauptgrund meiner Anschaffung, weil im Samsung selbst der Zoomfaktor 1x oft zu weit weg ist und 3x schon wieder zu stark vergrößert. Man kann natürlich auch auf 2x zoomen, ist dann aber wieder bei manipulierten Ergebnissen. Außer das 240 mm Tele, werden alle anderen Vorsätze am Objektiv der besten Auflösung, dem 1x Zoom benutzt. Wobei Zoom eher falsch ist an der Stelle.
Ein weiterer Grund der schlechte Porträtmodus von Samsung mittels KI Eingriff. Die Hoffnung lag auf einem Objektiv, welches optisch den Hintergrund freistellen kann und zudem die Lücke einer physischen 2x Brennweite ausfüllt.
Allerdings kann ich getrost sagen, dass der 60 mm Vorsatz, den ich vermutlich am häufigsten verwendet hätte, auch der schlechteste Vorsatz ist.

Die stark gewölbte Frontlinse ist nicht nur gegenlichtempfindlich. Ich glaube da reflektiert sogar was, wenn es völlig finster wäre....

Vergleich mit und ohne Vorsatz.

Die Schärfeleistung ist auch nicht so das Gelbe vom Ei und wenn dann wieder mit Expert RAW eine KI mit ins Spiel kommt, wird es schnell peinlich.

Landschaftsaufnahmen komplett scharf von vorne bis hinten - unmöglich.

Lichtempfindlich ohne Ende

Mit KI wird es wieder mega peinlich.

Bedeckter Himmel und auf jedem Bild dieser rötliche Reflex und man erzählt mir mit einer anderen App wird alles besser!
Mein Fazit:
Spart euch das Geld, lebt mit dem Smartphone so wie es ist oder kauft euch eine Systemkamera, alles ist besser!
Das andere Zubehör von ShiftCam habe ich nicht getestet, der Handgriff hätte mich interessiert, weil ich diese filigranen Handys überhaupt nicht mag. Aber die Bildqualität der getesteten Vorsätze überzeugen mich in keiner Weise. Die Handhabung ist mega umständlich und ich habe mir bei dem Wetter die Finger abgefroren. Wenn es dem Ergebnis zugutekommen würde, kein Problem, aber so?
Die ganze Geschichte erinnert mich total an IO Hawk, viel Wind um nichts.